Lord of Shadows: Die Dunklen Mächte
Cassandra Clare
auf der
Buchmesse

Die dunklen Mächte Band 2

Lord of Shadows

Die junge Schattenjägerin Emma Carstairs hat ihre Eltern gerächt, doch sie findet keinen Frieden. Denn aus der Freundschaft zu ihrem Parabatai Julian ist Liebe geworden – und nach den Gesetzen der Schattenjäger hat eine Beziehung zwischen zwei Parabatai tödliche Konsequenzen. Um Julian und sich zu schützen, lässt sich Emma daher ausgerechnet auf Julians Bruder Mark ein. Mark, der fünf Jahre bei den Feenwesen lebte und dessen Loyalität nicht wirklich geklärt ist.

Zumal Unruhe herrscht in der Unterwelt. Die Feenwesen mussten sich nach dem Dunklen Krieg harten Bedingungen beugen und begehren auf. Aufgerieben zwischen den Intrigen des Feenkönigs und der unerbittlichen Härte jahrtausendealter Gesetze müssen Emma, Julian und Mark ihre privaten Sorgen vergessen und gemeinsam für all das kämpfen, was sie lieben – bevor es zu spät ist und ein neuer Krieg ausbricht …

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Leseprobe

Stimmt was nicht?, fragte Julian. Er hatte sein Handy wieder in die Tasche seiner Monturjacke geschoben. Der Wind – auf dem Pier herrschte immer Wind, der unablässig vom Meer heranwehte und nach Salz und fernen Ländern roch – hob sein sanft gewelltes, braunes Haar an, sodass die Spitzen seine Wangen und Schläfen küssten.

Düstere Gedanken, hätte Emma am liebsten geantwortet. Doch das konnte sie nicht. Einst war Julian der Mensch gewesen, dem sie alles hatte erzählen können. Aber jetzt war er der einzige Mensch, dem sie nichts mehr erzählen durfte. Statt einer Antwort versuchte sie, seinem Blick auszuweichen und fragte: Wo sind Mark und Cristina?

Da drüben. Julian zeigte auf die beiden. Beim Ringwurfspiel. Emma folgte seinem Blick zu einem bunten Stand, an dem die Besucher versuchen mussten, einen Plastikring so zu werfen, dass er auf dem Hals einer Flasche landete, welche mit einem Dutzend weiterer Flaschen in einer Reihe stand. Emma bemühte sich, keine Überlegenheitsgefühle zu entwickeln, weil die Irdischen diese Aufgabe offenbar für ziemlich schwierig hielten.

Julians Halbbruder Mark wog drei Plastikringe in der Hand. Cristina, deren dunkles Haar zu einem ordentlichen Knoten hochgesteckt war, stand neben ihm, aß Karamellpopcorn und lachte. Und dann warf Mark die Ringe, alle drei gleichzeitig. Jeder der Ringe flog in eine andere Richtung und legte sich um den Hals einer Flasche.

Julian seufzte. So viel zum Thema unauffälliges Verhalten.

Eine Mischung aus Jubel und ungläubigem Stöhnen ging durch die Zuschauer am Ringwurfstand. Glücklicherweise waren es nicht viele Irdische, und Mark gelang es, ohne allzu großes Aufsehen seinen Preis abzuholen – irgendetwas in einem Plastikbeutel – und sich aus dem Staub zu machen. Mit Cristina an seiner Seite kam er direkt auf Emma und Julian zu. Die oberen Ränder seiner spitzen Ohren ragten zwischen seinen hellblonden Haaren hervor, aber er hatte sich durch Zauberglanz getarnt, sodass die Irdischen sie nicht sehen konnten. Mark war ein Halb-Elbe und sein Schattenweltlerblut zeigte sich in seinen feinen Zügen, der Form seiner Ohren und seinen kantigen Wangenknochen.

Dann geht es also um einen Kraken-Dämon?, sagte Emma, hauptsächlich, um die Stille zwischen ihr und Julian mit irgendwelchen Worten zu füllen. In letzter Zeit hatte ziemlich oft eine betretene Stille zwischen ihnen beiden geherrscht. Seit dem Moment, an dem sich alles verändert hatte, waren gerade einmal zwei Wochen vergangen, aber Emma fühlte den Unterschied deutlich, in allen Gliedern. Sie spürte Julians Distanziertheit, auch wenn er sich ihr gegenüber immer äußerst höflich und zuvorkommend gezeigt hatte, nachdem sie ihm von Mark und sich erzählt hatte.

Offenbar, sagte Julian jetzt. Inzwischen waren Mark und Cristina in Hörweite; Cristina aß ihr letztes Karamellpopcorn und schaute wehmütig in die Tüte, als hoffte sie darauf, dass dort weiteres Popcorn auftauchen würde. Eine Hoffnung, die Emma nachvollziehen konnte. Mark begutachtete dagegen seinen Preis. Der Dämon klettert an den Pfeilern des Piers hoch und schnappt sich irgendwelche Irdische. Meistens Kinder oder jeden anderen, der sich über die Brüstung beugt, um ein Nachtfoto zu schießen. Allerdings wurde er in letzter Zeit immer dreister.

Anscheinend hat ihn jemand im Spieleareal gesehen, in der Nähe des Air-Hockey-Tischs … Ist das etwa ein Goldfisch? Mark hielt den Plastikbeutel hoch. Darin schwamm ein kleiner orangefarbener Fisch im Kreis. Das ist der beste Patrouillengang, den wir je gemacht haben, sagte er. Mir wurde noch nie zuvor ein Fisch überreicht.

Emma seufzte innerlich. Mark hatte die vergangenen Jahre bei der Wilden Jagd verbracht, dem wildesten und zügellosesten Zweig der Feenwelt. Die Jäger ritten auf allen möglichen verzauberten Wesen über den Himmel – Motorräder, Pferde, Hirsche, gewaltige knurrende Hunde – und durchstöberten Schlachtfelder, um den Toten alle wertvollen Dinge zu rauben und diese als Tributzahlungen an die Feenhöfe auszuhändigen.

Mark hatte sich inzwischen wieder ganz gut in seine Schattenjägerfamilie eingewöhnt, aber es gab immer noch Momente, in denen der Alltag ihn zu überraschen schien. Jetzt bemerkte er, dass die anderen ihn mit hochgezogenen Augenbrauen anschauten. Er zog eine beunruhigte Miene, legte zögerlich einen Arm um Emmas Schultern und streckte ihr den Plastikbeutel entgegen. Ich habe einen Fisch für dich gewonnen, meine Schöne, sagte er und küsste sie auf die Wange. Es handelte sich um einen zarten Kuss, sanft und lieb, und Mark roch wie immer: nach kühler, frischer Luft und Grünpflanzen. Und natürlich war es völlig logisch, überlegte Emma, dass Mark sich so verhielt: Er nahm an, dass die anderen ihn deswegen so perplex ansahen, weil sie darauf gewartet hatten, dass er ihr seinen Gewinn überreichte. Schließlich war sie seine Freundin.

Sie tauschte einen besorgten Blick mit Cristina, deren dunkle Augen sehr groß geworden waren. Julian machte den Eindruck, als müsste er sich gleich übergeben. Aber es dauerte nur einen Augenblick, bis er seine Gesichtszüge wieder im Griff hatte und eine neutrale Miene zog. Trotzdem löste Emma sich von Mark und schenkte ihm ein entschuldigendes Lächeln.

Der Trailer zum Buch

Cassandra Clare

Cassandra Clare

Cassandra Clare wurde in Teheran geboren und verbrachte die ersten zehn Jahre ihres Lebens in Frankreich, England und der Schweiz. Ihre Reihe Chroniken der Unterwelt sowie die neue Trilogie Chroniken der Schattenjäger wurden auf Anhieb zu einem internationalen Erfolg.

Ihre Bücher stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Cassandra Clare lebt mit ihrem Mann, ihren Katzen und einer Unmenge an Büchern in einem alten viktorianischen Haus in Massachusetts. Während des Schreibens von Lord of Shadows hörte Cassandra Clare diese Songs am liebsten:

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Cassandra Clare über ihre Fantasyreihe Die dunklen Mächte

Sie zählen zu den erfolgreichsten Fantasy-Autoren und haben das Genre der Urban Fantasy mit Ihrer bekannten Serie Chroniken der Unterwelt sowie der zugehörigen Vorgeschichte Chroniken der Schattenjäger geprägt. Wie kamen Sie auf die Idee, Ihre Romane in modernen Metropolen wie New York, London und Los Angeles anzusiedeln, statt ein zweites Mittelerde zu erfinden?

Als ich mich hinsetzte, um die Handlung des Buches zu umreißen, wollte ich Elemente traditioneller High Fantasy miteinander verbinden – einen monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse, grässliche Monster, tapfere Helden, magische Schwerter – und diese aus einer modernen, urbanen Sicht neu gestalten. Daher gibt es die Schattenjäger, diese ganz klassischen Krieger, die ihren jahrtausendealten Traditionen folgen, aber in einer urbanen, zeitgemäßen Umgebung: Wolkenkratzer, Lagerhallen, verkommene Hotels, Rockkonzerte. In den Märchen ist es der finstere, unheimliche Wald vor der Stadt, in dem Zauberwesen und Gefahren lauern. In der Welt, die ich erschaffen wollte, sollte die Großstadt zum Wald geworden sein und diesen urbanen Räumen ihre eigene Magie und Gefahr, ihre Geheimnisse und fremdartige Schönheit innewohnen.

Die Trilogie Die Dunklen Mächte knüpft an die Chroniken der Unterwelt an. Die Handlung setzt fünf Jahre nach den letzten Ereignissen der Unterwelt-Chroniken ein und fällt in die Zeit des Kalten Friedens. Können Sie die Ausgangssituation, in der sich die Welt der Schattenjäger am Anfang Ihrer neuen Serie befindet, etwas genauer beschreiben?

Die Vereinbarung über den Kalten Frieden hat die Welt der Schattenjäger und Schattenweltler grundlegend verändert. Der Rat, die Regierung der Schattenjäger, hat seit Inkrafttreten einen radikalen Kurswechsel im Umgang mit Feenwesen vollzogen. Künftig wird den Elben keinerlei Schutz mehr gewährt. Sie sind aus der Gemeinschaft Gleichberechtigter verstoßen und dadurch im Grunde sich selbst überlassen. Das ist eine harte Strafe für den Verrat, den die Feenkönigin in den Chroniken der Unterwelt beging – eine zu harte, wie manche sagen. Das umstrittene Gesetz hat weitreichende Konsequenzen für Schattenjäger und Schattenweltler gleichermaßen, und einige dieser Auswirkungen spielen in Die dunklen Mächte eine zentrale Rolle.

Warum haben Sie sich für Los Angeles als Schauplatz der Trilogie entschieden?

Los Angeles ist eine faszinierende Stadt, weil sie so modern und ausufernd ist und zugleich in einer überwältigend schönen Landschaft liegt, wo Berge, Wüste und Ozean aufeinandertreffen. Weil ich in Los Angeles aufwuchs, regten diese Gegensätze meine Fantasie an, und ich dachte mir damals stundenlang Welten aus, in denen magische Wesen mitten unter uns leben. Es lag also nahe, dass ich in der neuen Serie an meine früheren Tagträume anknüpfte. Emma und Julian halten sich an vielen Orten auf, an denen ich als Teenager meine Zeit verbrachte.

Im Zentrum von Die Dunklen Mächte stehen diesmal nicht Jace Herondale und Clary Fairchild, sondern junge Schattenjäger, die überwiegend der Blackthorn-Familie angehören. Haben die Blackthorns innerhalb der Schattenjäger-Gemeinschaft eine besondere Bedeutung?

Ja, die Blackthorns sind eine bedeutende Schattenjägerfamilie. In den Chroniken der Schattenjäger und den „Chroniken der Unterwelt wurde nur beiläufig auf die Blackthorns eingegangen, aber sie haben eine lange Geschichte. Anders als die Herondales, die unter den Schattenjägern schon immer zu den Helden zählten, hatten die Blackthorns eine weniger glanzvolle, schwierigere Vergangenheit. In Die Dunklen Mächte dreht sich vieles um die Sünden des Vaters, von denen die jüngeren Generationen eingeholt und heimgesucht werden.

Eine weitere Hauptfigur ist Emma Carstairs, die nach dem Tod ihrer Eltern Aufnahme bei den Blackthorns gefunden hat. Sie ist dem gleichaltrigen Julian Blackthorn engstens verbunden, da sie sein Parabatai ist. Können Sie etwas mehr darüber erzählen, was Parabatai bedeutet, welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss und welche Verpflichtungen dieser Bund mit sich bringt?

Schattenjäger, die sich dafür entscheiden, den Parabatai-Bund zu schließen, sind Krieger, die paarweise kämpfen und bereit sind, ihr Leben füreinander zu geben. Sie folgen damit einem Kameradschaftsideal, das eine lange Tradition hat. Der Begriff Parabatai geht auf das Altgriechische heniochoi kai parabatai zurück, was übersetzt so viel wie Wagenlenker und Beifahrer bedeutet. Ich stieß auf diesen Ausdruck als ich für mein erstes Buch City of Bones etwas über Hopliten und die Schlachtordnung in der Antike nachlas. Der Beifahrer eines Streitwagens durfte den Wagenlenker nicht im Stich lassen. Der eine lenkte, der andere kämpfte vom Streitwagen aus. Jeder ist auf den anderen angewiesen.

Parabatai können Geschwister, Freunde, Cousins und Cousinen, Mädchen und Jungen sein. So ziemlich alle Schattenjäger, die etwa im gleichen Alter sind, denn beide müssen sich für den Bund entscheiden, bevor sie 18 Jahre alt werden. Die meisten Schattenjäger haben keinen Parabatai. Parabatai zu sein, ist ein bisschen so, als sei man Linkshänder. Nicht wirklich sonderbar, aber weniger verbreitet. Und Parabatai dürfen sich nicht ineinander verlieben, worüber noch mehr zu hören sein wird.

Sie zeigen eine Vorliebe für Hauptfiguren, die jünger als 20 Jahre sind und an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Was finden Sie an dieser Lebensphase so spannend?

Als ich anfing City of Bones zu schreiben, hatte ich keine Jugendliteratur im Sinn, sondern bloß einen Fantasyroman. Es hat sich einfach ergeben, dass die Figuren Teenager sind. Irgendwann kam ein interessierter Verlag auf mich zu, aber dort wollte man, dass ich die Figuren reifen lasse und Erwachsene aus ihnen mache. Eine Zeitlang spielte ich mit diesem Gedanken, aber ich wusste, dass das nicht funktionieren würde. In Die Dunklen Mächte“ möchte ich wie in den Chroniken der Unterwelt Geschichten über Personen in dieser weichenstellenden Phase des Lebens genau zwischen Jugend und Erwachsensein erzählen, in der die Entscheidungen, die man trifft, für den weiteren Lebensweg und die Entwicklung der Persönlichkeit maßgeblich sind, statt widerzuspiegeln wer man schon ist.

Sie mögen Ihre Fans sehr gern, tauschen sich rege mit ihnen aus und treffen sie auch persönlich. Ist es schon vorgekommen, dass Ihre Fans Einfluss auf ihre Romane genommen haben?

Was ich lustig an meiner Fangemeinde finde, ist unter anderem, dass wir viele Insiderwitze miteinander teilen. In meine Bücher habe ich kleine Anspielungen darauf eingestreut wie Ostereier, die sie suchen können.

Sie konzentrieren sich nun seit mehr als zehn Jahren aufs Schreiben von Fantasy und haben eine Fantasiewelt ins Leben gerufen, die hinter unserer sichtbaren Realität wirkt. Sehen Sie da nicht manchmal hinter jeder Ecke Schattenjäger, Elben, Hexen und Dämonen lauern?

Dass ich immer wieder auf neue Orte und Situationen stoße, wo Schattenjäger und Schattenweltler auftauchen könnten, gehört zu den Dingen, die mir beim Erfinden dieser fiktionalen Welt am meisten Spaß machen. In City of Lost Souls reisen Jace und Clary meistens herum und besuchen dabei viele Orte, die ich selbst gesehen habe und liebe, Orte, die mich dazu inspiriert haben, das Magische im Alltäglichen zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir das jemals leid wird!

© Goldmann Verlag, Interview: Elke Kreil

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